"Seye kein Ziegeuner, sondern kayserlicher Cornet": Sinti im 17. und 18. Jahrhundert; eine Untersuchung anhand archivalischer Quellen

Goodreads Rating: 4.0
Author: Ulrich Friedrich Opfermann
Category: Uncategorized
Published: May 18th 2007 by Metropol Verlag
Pages: 454 pages
Language German

1) Deutsche Rezension 2) English Review 1) Deutsche Rezension Diese Studie war sehr interessant zu lesen, leider muss man auch sagen, dass dies eines der wenigen Bücher seiner Art bisher ist und es befasst sich auch nur mit bestimmten westlichen Teilen des heutigen Deutschland. Und wenn man sich nur das 17. Und 18. Jahrhundert in diesen Gebieten ansieht so ist das Bild ziemlich verworren. Die ganze Kleinstaaterei des deutschen Sprachgebietes sowie die Tatsache, dass das Wort "Zigeuner" z.B. oft nicht mehr gebraucht wurde wenn die Sinti nicht mehr umherzogen macht eine Spurensuche sehr schwierig, dennoch, der Autor hat so einiges aufgespürt: der früheste Nachweis zum christlichen Glauben der Sinti in der Region geht auf das Kreuz eines Sinto namens Löwenstein aus dem Jahr 1520 zurück, ebenso gab es zuerst kaum Delikte wegen "Magie" (anders als das was die Allgemeinbildung annimmt) und die meisten Delikte fallen unter Mundraub. Weiterhin passten schon damals viele "Zigeuner" nicht zum Klischeebild und es gibt keine Hinweise auf Hochzeit mit Jenischen, aber es gibt welche mit denen der sesshaften Bevölkerung (z.B. wenn Sinti im Wehrdienst oder im geistlichen Dienst standen) in beide Richtungen. Zudem deuten die Hinweise daraufhin, dass entgegen langläufiger Meinung vor allem die Taufe den Sinti sehr wichtig war, da sie oft gegen große Widerstände und mit wenig Aussicht auf Patengeschenke durchgeführt wurden. Generell scheint der christliche Glaube sehr stark gewesen zu sein, da es z.B. sogar eine Geiselnahme gab um eine Beerdigung auf dem Kirchenfriedhof zu kriegen. Der Autor konnte scheinbar auch ein paar Modetrends ausmachen und die Lage der Sinti stets mit der allgemein vorherrschenden Armut verbunden. Weiterhin erfährt man interessantes über den ersten bisher bekannten Geistlichen unter den Sinti sowie über solche die beim Adel oder generell im Militär angestellt waren, Privilegien genossen und Grundbesitz hatten. Also, alles in allem ein sehr zu empfehlendes Buch.

Aber ich will auch nicht lügen, manchmal fand ich die Ansichten des Autors recht schräg (er wundert sich, warum "Zigeuner" noch im Umgang ist, obwohl das englischsprachige Kino du Fernsehen schon voll mit solchen Wörtern ist, also klar kriegen wir es hier ab) und das Buch ist wirklich lang. 2) English Review This study was very interesting to read; sadly you have to say that this is one of the few books of its kind so far and it only deals with certain western parts of modern day Germany. And if you only look at the 17th and 18th century in those areas, the picture is quite confusing. All these small states of the German language area as well as the fact that the word "Zigeuner" e.g. was often no longer used when the Sinti no longer travelled make research quite difficult but still, the author managed to find quite a few things: the earliest evidence of Christian faith among Sinti in the region is based on the crucifix of a Sinto named Löwenstein from the year 1520, as well there were barely any crimes of "magic" at first (despite what common knowledge suggest) and most crimes fall under petty theft. Furthermore even back then many "gypsies" did not fit the visual stereotypes and there is no evidence of marriage with Jenisch, but there are some with the sedentary population (e.g. when Sinti were in the military or clergy) in both directions. Furthermore the evidence points towards the fact that despite common opinion the baptism was quite important for Sinti as they usually had to deal with lots of hurdles and gifts would not have been profitable any way. In general the Christian faith seems to have been very strong as e.g. there was even a hostage situation to get a recently killed Sinto buried on church grounds. The author apparently could also detect some fashion trends and the situation of Sinti was always connected to the common poverty. Furthermore you get to know interesting things about the so far first Sinti cleric as well as those working for the aristocracy or in the military, had privileges and even owned property. All in all a very recommendable book. But I don't want to lie, sometimes the opinions of the author can be pretty weird (he wonders why "Zigeuner" is still in use, even though the English speaking cinema and television so of course we get bombarded with it) and the book is really long.

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